Ostern ist anders

Daran haben wir uns an Ostern per Telefon, sms oder what’s app erinnert. In der Tat, das ist die beste Botschaft, die es je gegeben hat. Das Leben siegt, Freude vertreibt dunkle Gedanken, Hoffnung und Zuversicht macht sich breit -  und will in die vor uns liegende Zeit hineinstrahlen! Heute am Dienstag (14.4.), lesen wir sogar: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten (1.Petr.1,3).

 

Ob wir den richtigen Weg gewählt haben, mit Ihnen im Kontakt zu bleiben? Andere Gemeinden machen vieles online – wir schicken Ihnen Briefe! Es ist schön, dass einige von Ihnen uns ganz bewusst Rückmeldungen geben und uns so ermutigen, an den Briefen festzuhalten. „Ich möchte mich bei Ihnen für die geistlichen Impulse bedanken, die wöchentlich hier eintreffen und helfen, diese beunruhigende Zeiten zu überstehen“ (G.T., ehemals Hausaufgabenhilfe) oder: „In dieser Zeit ohne Kontakte mit den Lieben aus der Stadtmission sind Eure Briefe ein segensreicher geistlicher Input. Ich folge Euren Gedanken gerne. Sie bauen mich auf und begleiten mich durch die Woche“ (E.Z., Diakoniekirche) oder per Telefon: „Ich freue mich schon immer auf den nächsten Brief“ (S.S., Frauenkreis und Blindentreff). Danke für die verschiedensten Rückmeldungen!

 

Auch wenn wir uns in diesen Tagen nicht treffen können, geht die Arbeit in der Stadtmission in abgespeckter Form weiter. Als Vorstand haben wir uns zum ersten Mal per Videokonferenz getroffen und uns über weitere Schritte ausgetauscht. Für uns ist schon länger klar, dass wir aufgrund der aktuellen Situation den Aktionstag zum Thema ‚Blindsein‘ am 10.5.2020 verschieben müssen. Deshalb bitten wir schon jetzt, dass Sie sich das neue Datum als Ersatz vormerken: 8. November 2020!
In der Diakoniekirche werden weiter fünfmal die Woche Lebensmitteltüten ausgegeben, so dass die Ärmsten in unserer Stadt versorgt werden. Darüber hinaus erfahren Einzelne konkrete Hilfe – und so manches Mutmachende geschieht über das Telefon. Danke, dass auch Sie sich daran beteiligen!

 

Ich weiß nicht, ob Sie sich unseren Vorschlag für einen kleinen Gottesdienst am Küchentisch im letzten Brief angeschaut haben. Die dort abgedruckte Erzählung vom Ostermorgen bewegt mich immer noch, erst recht, seitdem ich die Predigt von Präses Annette Kurschus im ZDF-Ostergottes-dienst dazu hören konnte. Ein paar von ihren Gedanken und Passagen aus der Predigt möchte ich gern mit Ihnen teilen und teilweise zitieren:

 

„Ostern war schon damals anders. Gähnende Leere in den Straßen, kein gegenseitiger Besuch, man schottete sich ab. Vorsichtshalber! Es sei zu gefährlich, hieß es, seit Jesus wie ein Verbrecher ans Kreuz geschlagen wurde. Es herrschte Ausnahmezustand bei den Jüngern in Jerusalem. Sie sind auf der Hut. (….) Viel zu hoch war das Risiko, erkannt und schlimmstenfalls selbst umgebracht zu werden. Ja, Ostern ist von Anfang an anders. Das erste Osterfest begann mit Abstand und Einsamkeit, mit Furcht und Trauer. Maria ist die Allererste, die sich am Ostermorgen aufmacht. Die Allererste, die merkt, dass etwas nicht stimmt.“

 

Bitte lesen Sie jetzt noch einmal die Ostererzählung aus Johannes 20,11-18. Maria steht am Grab Jesu. Sie will ihrem Freund und Herrn nahe sein. Ihm, der Menschen geheilt hatte, der von der Liebe Gottes gesprochen hatte, der Herzen anrührte, mit dem sie unterwegs gewesen ist, dem sie abspüren konnte: in ihm war Gott selbst da. Ja, sie will ihm nahe sein, ein letztes Mal. Auch wenn es nur der tote Jesus ist.  Ihm nahe sein – was hat dieser schlichte Wunsch in diesen Wochen für einen Klang!

 

All ihre Hoffnung hatte Maria auf ihren Herrn gesetzt. Und nun war er tot. Doch hier am Grab wird alles noch viel schlimmer: Sie findet noch nicht einmal den Leichnam ihres Herrn. Er ist weg – „ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben.“ Maria muss feststellen: Jetzt bin ich ganz allein. Jesus hat mich allein gelassen. Maria ist am Tiefpunkt und spürt die totale Verlassenheit. „Und Maria dreht sich um und sieht - so wird erzählt - ‚Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist.‘ In diesem kleinen Halbsatz (…) steckt das ganze Geheimnis des Ostertages. Sie sieht ihn und erkennt ihn nicht. Der Auferstandene ist da – und sie erkennt ihn nicht. Während Maria mit Haut und Haaren verstrickt ist in ihre Situation, überwältigt von der Einsamkeit, gefangen in ihrer Not – ist er längst da.

 

Das heißt doch: auch wenn ich „nicht weiß“, auch wenn ich gefangen bin in meiner Situation, auch wenn ich im Moment keinen Zugang finden sollte zum auferstandenen Christus, dann macht das dessen Lebendigkeit nicht zunichte! Dass er lebt, hängt nicht von meinem Glauben ab. Wo ich wie gebannt auf das starre, was mein Leben bedroht, steht er, der Lebendige, längst hinter mir und wartet darauf, mir zu begegnen.“

 

Schließlich ist es der Auferstandene, der sich Maria zuwendet und sie bei ihrem Namen ruft: „Maria“. Jetzt hält Maria inne, sie hört ihren Namen – sie dreht sich zu Jesus hin. Kann es sein, dass…? Ihre Blicke treffen sich. Jetzt erkennt sie ihn – endlich! Weil sie merkt: Er kennt mich! Er ruft meinen Namen! Der lebendige Christus hat mich gefunden!

 

"Darin liegt das Heil der Welt, unsere Zukunft! Gott selbst wendet sich uns zu und ruft uns bei unserem Namen, er ruft uns hinterher. Er findet uns, während wir noch verzweifelt suchen oder dabei sind, zu resignieren. Gott ruft Sie und mich beim Namen und sagt damit: Dich meine ich, du liegst mir am Herzen!", glaub mir, ich lasse dich nicht im Stich!

 

Und Maria? Maria kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Meister! antwortet sie, es fehlen ihr die Worte. Doch in ihr verändert sich etwas. Sie fasst neuen Mut, sie spürt neue Kräfte. Sie, die eben noch weinend am Grab gestanden hat, lässt sich von Jesus losschicken, allein - und doch nicht allein. Der Auferstandene ist ja da! Sie geht zu den Jüngern und bezeugt ihnen: „Ich habe den Herrn gesehen“. "Ja, Ostern ist anders, heilsam anders. Ostern verändert. Wir gehen auf das Leben zu!"*

 

Ich wünsche Ihnen, dass die Botschaft vom auferstandenen Herrn Sie durch die nächsten Tage begleitet. Und bleiben Sie weiterhin behütet!

Ihre Renate Görler

 

P.S.:

- Die Karte zu diesem Wochenbrief finden Sie hier.

- * Wenn Sie die ganze Predigt von Frau Kurschus haben möchten, dann rufen Sie mich an oder drucken Sie sich diese aus. Sie finden Sie im Netz in der ZDF-Mediathek. Es lohnt sich!

- Möchten Sie den Wochenbrief gerne regelmäßig lesen und dabei in der Hand halten, lassen Sie uns eine kurze Info zukommen: info@wuppertaler-stadtmission.de


Zurück

Wuppertaler Stadtmission

Heinrich-Böll-Straße 188
42277 Wuppertal
Fon: 0202 50 12 20
Fax: 0202 51 01 47
E-Mail: wsm[at]telebel.de

Unsere nächsten Termine

Zur Zeit keine Termine vorhanden

Gottesdienst für Blinde und Sehbehinderte

... und alle Interessierten
hier mehr erfahren >>>
mootools; ?>