mittendrin!

Liebe Leserinnen und Leser,

das Zeitgefühl verändert sich, die Tage verlieren ihre Kontur, den Alltag, wie wir ihn bisher lebten, gibt es (vorerst) nicht mehr. Ich glaube, mit diesen Beobachtungen stehe ich nicht allein da. Um z.B. Kindern in dieser ungewohnten Situationen Halt zu geben, wird Familien empfohlen, miteinander eine differenzierte Tagesstruktur auszuhandeln, in der Anspannung (Lernen) und Entspannung, Mithilfe im Haushalt und Freizeit ihre feste Zeit haben.

 

Wie hat sich Ihre Tagesstruktur in den letzten Wochen verändert? Welche Hilfen und Kniffe haben Sie sich überlegt, um ihren neuen Alltag zu strukturieren? Gehörten Sie zu jenen, die sich schon sehr früh das Händeschütteln verkniffen haben, oder brauchten Sie (wie ich) Zeit, um den Ernst der Lage für sich und für Ihre Nächsten zu begreifen?

 

Frau R. antwortete auf unseren ersten Brief: "Es ist Fastenzeit, Zeit sich auf das Wesentliche zu besinnen. Klopapier gehört nicht dazu. Meine Fastenziele für dieses Jahr musste ich anpassen, weil reale Kontakte nicht möglich sind. Ich schreibe Briefe, telefoniere, bügele die Wäsche für die Familie meiner Tochter. Mein Schwiegersohn kauft für mich ein."

Außerdem hat Frau R. einen Text weitergegeben, der in den letzten Tagen auch in den Medien kursiert ist und einen zuversichtlichen Blick auf unsere Situation wirft.

Nicht alles ist abgesagt...

Sonne ist nicht abgesagt
Frühling ist nicht abgesagt
Beziehungen sind nicht abgesagt 
Lesen ist nicht abgesagt
Zuwendung ist nicht abgesagt

Musik ist nicht abgesagt
Phantasie ist nicht abgesagt
Freundlichkeit ist nicht abgesagt
Gespräche sind nicht abgesagt
Hoffnung ist nicht abgesagt
Beten ist nicht abgesagt

 

Für unseren 2. Wochenbrief möchte ich gerne Psalm 62 in den Blick nehmen. Es ist ein Gebet, was Mut macht und Zuversicht weckt. Dieses alte Wort "Zuversicht" heißt nichts anderes, als mit Vertrauen der Zukunft entgegen zu schauen. Einer Zukunft, die untrennbar mit Gott verbunden ist, der für uns das Beste will. Zuversicht ohne Vertrauen funktioniert nicht. Je tiefer das Vertrauen, desto tragfähiger die Zuversicht.

Psalm 62

2 Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. 3 Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht wanken werde. 4 Wie lange stellt ihr alle einem nach, wollt alle ihn morden, als wäre er eine hangende Wand und eine rissige Mauer? 5 Sie denken nur, wie sie ihn von seiner Höhe stürzen, sie haben Gefallen am Lügen; mit dem Munde segnen sie, aber im Herzen fluchen sie. Sela. 6 Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung. 7 Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht wanken werde. 8 Bei Gott ist mein Heil und meine Ehre, / der Fels meiner Stärke, meine Zuversicht ist bei Gott.

Eine gute Portion Zuversicht können wir alle gebrauchen, denn unsere Gedanken beschäftigen sich z.Zt. doch vor allem mit dem, was unser Vertrauen erschüttert: fehlende soziale Kontakte, Hamsterkäufe in unseren Supermärkten, kollabierende Gesundheitssysteme in den Nachbarländern, unglaubliche Anstrengungen, um die Wirtschaft im Großen und auch die kleinen Betriebe zu stützen, keine Besserung in absehbarer Zeit ... Mittendrin in diesem Gedankenstrudel brauchen wir einen Halt. Wir brauchen einen Perspektivwechsel.

Machen wir es wie der Psalmbeter. Er sucht die Stille, die Stille zu Gott, der ihm hilft. Doch, das kleine Wörtchen zu irritiert. Sprechen wir doch viel selbstverständlicher von der Stille vor Gott. In ihr singe ich, lese die Bibel, schweige und bete ich.

Ohne Frage, dieses zu macht nachdenklich. Es deutet an, wie schnell ich mich auch vor Gott um mich selbst drehen kann, um meine Bitten, meine Gesundheit, um das Wohl meiner Lieben. Dabei will mir die Stille zu Gott auch da eine andere Perspektive schenken. Wer zu Gott hin still ist, der lauscht nicht (nur) in sich hinein, sondern vielmehr nach dem Herzschlag Gottes, das für uns schlägt.

Mit dem Herzschlag Gottes im Ohr nehmen wir uns selbst und unsere Welt anders wahr. Vertrauen wächst, denn Gott ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz. Was mir die Luft zum Atmen nimmt, verliert sein Gewicht. Die Zuversicht wächst. Sie wird groß und belastbar.

 

Ich lade Sie in den kommenden Tagen ein, sich mittendrin am Tag die Zeit für die Stille zu Gott zu nehmen. Um 12 Uhr nachmittags läuten in den meisten Kirchen Wuppertals die Glocken zum Gebet, eine alte Tradition, die wir neu mit Leben füllen können. Mittendrin im Alltag, in Mitten der Nachrichten und unserer Gedanken, auf den Herzschlag Gottes lauschen.

 

Die Karte hat es in sich und passt als Erinnerungshilfe z.B. auf den Esstisch. Der Psalm eignet sich, in dieser Zeit gebetet bzw. belauscht zu werden. Unsere große Gemeinschaft in der Stadtmission bietet viele Gelegenheiten, sich telefonisch über das auszutauschen, was Ihnen in der Stille zu Gott zu Ohren kommt. Gerne können Sie auch Renate Görler und mich jederzeit anrufen.

 

Ich wünsche Ihnen offene Ohren und wachsende Zuversicht!
Mit einem herzlichen "Gott befohlen!"

Ihr Paul-Gerhard Sinn

 

P.S.: Möchten Sie den Wochenbrief gerne regelmäßig lesen und dabei in der Hand halten, lassen Sie uns eine kurze Info zukommen: info@wuppertaler-stadtmission.de


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