mit einem Ohr im Himmel

07.06.2020 _ Jetzt sind auch die 50 Tage zwischen Ostern und Pfingsten vorbei und in wenigen Tagen ist schon Sonnenwende, die kürzeste Nacht des Jahres. Ich schreibe am 12. Wochenbrief mit "Brückenfunktion" für alle, die sich aufgrund von Corona nicht in gewohnter Weise begegnen können. Als wir am
15. März unsere Auftaktveranstaltung zum 100. Geburtstag der WSM absagen mussten, waren vielleicht manche versucht, an den Fingern abzuzählen, wie viele Wochen wohl der Ausnahmezustand gelten wird. Die Finger reichen schon lange nicht mehr, aber für den Juni können wir ankündigen, dass zumindest drei Begegnungsmöglichkeiten voraussichtlich stattfinden werden:

 

Samstag, 13.6.2020, 15 Uhr, offene Mitgliederversammlung im Gemeindesaal Hottenstein
Donnerstag, 18.6.2020, 18 Uhr, Gottesdienst im Gemeindehaus
Sonntag, 28.6.2020, 17 Uhr, Gottesdienst im Gemeindehaus

 

Eine erste Begegnung war bereits. Am letzten Sonntag um 15 Uhr kam es zur Pfingstbewegung und -begegnung im Garten und Gemeindehaus (siehe Faltkarte). 25 Personen ließen sich bei schönstem Wetter einladen und folgten den verschiedenen Ideen, die von Renate und mir vorbereitet und mit viel Unterstützung anderer aufgebaut und durchgeführt wurden (Danke!).

 

Da gab es einen Ort der Bildgestaltung, wo jede*r ein Teil eines großen Bildes (Taube) mitgestalten konnte. Im Saal war so was wie eine Lieder-Lounge, in der Christian Krapp am Klavier bei einge-blendeten Liedtexten bekannte Pfingstlieder und Choräle interpretierte. Im Hausaufgabenzimmer befand sich der Raum der Stille, der zum Gebet einlud. Im Garten ging es in einer Ecke um Wort und Bild und die Beobachtung, dass unterschiedliche Fotos den jeweils gleichen Bibelvers ganz verschieden interpretieren. In einer anderen Ecke des Gartens war alles für eine Redezeit aufgebaut. Eine Stellwand mit Bibelvers und Fragen, Tisch und vier Stühlen.

 

Das Thema der Redezeit möchte ich gerne mit in diesen Brief hineinnehmen und Sie zur Begegnung mit diesem Bibelwort einladen. Die Fragen wollen Ihnen helfen, eigene Gedankenwege zu gehen. Doch zuerst lesen Sie den Vers (links) und lassen ihn wirken.

 

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.

Sacharja 4,6


a) Was soll geschehen? Was könnte gemeint sein, was durch den Geist Gottes passiert (Heute oder demnächst - in dieser Welt, in der WSM, in meinem Leben)?
b) "Heer oder Kraft" steht für unsere menschlichen Möglichkeiten. Welche Begriffe würden wir heute wählen?
c) Gottes Geist wirkt oft so ganz anders, als wir es uns vorstellen. Auf was sollten wir unsere Aufmerksamkeit richten? Wie kann Gottes Geist wirken?

 

Ich selbst lande bei der ersten Frage zuerst bei den großen Dingen der Welt, die geschehen sollten: Klarheit in Sachen Corona, echte Fortschritte in Sachen Klimaschutz, Solidarität mit Menschen aus den Kriegs- und Krisengebieten, Frieden zwischen "Schwarz und Weiß" in Amerika … es gibt so vieles, wo die Menschheit offensichtlich überfordert ist, festklemmt, immer wieder scheitert!
Braucht es einen Anstoß, das Ganze auch kleiner zu denken? Z.B. haben wir in den letzten Jahren in der WSM zwei Prozesse miteinander durchlaufen, in denen wir nach der Zukunft der WSM gefragt haben. Orte verändern sich, der Nachwuchs fehlt. Wünschen wir uns nicht Klarheit und Mut für die nächsten Schritte durch Gottes Geist?
Aber auch die ganz persönlichen Angelegenheiten gehören dazu. Es gibt bei Gott keine Grenze der Belanglosigkeit. Was uns wichtig ist und uns beschäftigt, das ist auch Gott wichtig. Unsere individuellen Lebensthemen, Fragen und Probleme sind Wirkungsorte des Geistes Gottes.
Der Prophet Sacharja hat bei seinen Worten eine vom Krieg zerstörte Stadt Jerusalem vor Augen, die schutzlos der Willkür der feindlichen Völker ausgeliefert ist. Und er sieht die erschöpften und mutlosen Bewohner der Stadt, die noch gar nicht so lange mit großer Hoffnung aus der Kriegsgefangenschaft zurückkamen. Es geht um Sicherheit und Heimat, Heilung und Zukunft.

 

Wer soll die ganze Arbeit machen? Woher sollen die Mitarbeitenden kommen und der Nachwuchs und die Finanzen? Zum Aufbau einer Stadtmauer ist das Heer zur Verteidigung und die Kraft der Mauerbauer unverzichtbar. Und doch sind diese Begriffe hier Platzhalter für all das, bei dem wir Menschen ausschließlich auf unsere eigene Kraft vertrauen. Genauer: wo wir gottlos unterwegs sind.
In der Losung von heute (Donnerstag) heißt es: David sprach zu Goliat: Du kommst zu mir mit Schwert, Spieß und Sichelschwert, ich aber komme zu dir im Namen des HERRN Zebaoth. (1. Sam 17,45). Der große furchteinflösende Goliat wird erfahren, dass alle menschliche Macht stumpf ist und letztlich scheitert. Dagegen weist die Formulierung "im Namen des HERRN" darauf hin, dass ein Mensch mit Gott verbunden ist, weil er sich an seinem Wort orientiert und sich so von ihm führen lässt. So kann Gottes Geist in und durch ihn wirken.

 

Vielleicht haben Sie bei der dritten Frage länger gegrübelt. Ich meine, Gottes Geist ist sichtbar und erfahrbar für alle, die mit den Augen der Glaubenden schauen. Beispiele: Da gibt es eine Schlüsselperson, die an entscheidender Stelle zum richtigen Zeitpunkt das Richtige tut und Türen öffnet. Eine andere wagt es, mutig ihre Meinung zu sagen und damit anderen zur Klarheit zu verhelfen. Oder, jemand gelingt es, sich von der Fixierung auf die (eigenen) Grenzen zu lösen, und die Begabungen fröhlich zu leben. Gottes Geist befreit zum Leben.
Im Grunde geht es um eine Haltung: mit einem Ohr im Himmel, bei Gott, bei seinem Wort und in der Gemeinschaft der Gläubigen - und mit dem anderen Ohr hier in unserer Welt, bei den Menschen, auch bei mir selbst. Mein "Ohr im Himmel" verändert mich, ich höre und sehe hier auf dieser Welt anders hin. Und meine Lebenserfahrung wiederum wirkt sich darauf aus, wie ich Gottes Wort lese und verstehe.

 

In diesen Tagen sehen wir an vielen Stellen beeindruckende Heere und viel Kraft am Werk: z.B. D. Trumps Haltung bei den Rassenunruhen, oder das 130 Mrd. Euro Corona-Hilfsprogramm. Wir sind eingeladen uns zu vergewissern, dass wir "im Namen des HERRN" unterwegs sind. Hier vor Ort an unserem je eigenen Platz will Gottes Geist an und durch uns wirken und sein Reich bauen.

 

Offene Ohren und viel Mut wünscht uns allen dazu,
Ihr Paul-Gerhard Sinn

 

 

P.S.:

- Die Karte zu diesem Wochenbrief finden Sie hier.


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