Kraft, Liebe und Besonnenheit

15.05.2020 _ In meinem letzten Brief habe ich Sie gefragt, was Sie in diesen besonderen Zeiten vermissen. Die Antworten, die ich erhalten habe, waren sehr verschieden. Ich selbst vermisse vor allem die direkten Kontakte mit Ihnen, mit meiner Familie und meinen Freunden, und ich vermisse die Gottesdienste und den Bibelgesprächskreis!

 

Heute möchte ich Sie fragen, was haben Sie in diesen Wochen der Einschränkungen schätzen gelernt, was möchten Sie sich bewahren, was soll auch künftig in Ihrem Alltag Platz haben? Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Denn wir müssen uns ja bewusst fragen: was war trotz der Einschränkungen gut, was hat mich überrascht, wo konnte ich neue Erfahrungen auf meinem Glaubensweg machen? Und wer oder was ist mir plötzlich wieder wichtig geworden! - Ist es die neu gewonnene Ruhe, die sich aufgrund des zurückgegangenen Verkehrs inklusive der fehlenden Flugzeuge ausgebreitet hat und damit das Gezwitscher der Vögel wieder mehr zu hören ist? Ist es die Entdeckung, dass Konsumgüter gar nicht so wichtig sind? Ist es die Aufmerksamkeit der Nachbarin, die sich angeboten hat, einzukaufen? Ist es die Freude über einen gelungenen geistlichen Impuls per Telefon oder online? Oder ist es das Zusammenrücken innerhalb der eigenen Familie?

 

Ich möchte mir gern den Blick dafür bewahren, wie wichtig und wertvoll jene Menschen sind, die sich mit all ihren Kräften für andere einsetzen – in den Pflege- und Seniorenheimen, in Kranken-häusern, auf den Intensivstationen, in sozialen Einrichtungen, in Kitas und Schulen. Ich möchte mich auch dafür einsetzen, dass sie eine bessere Bezahlung bekommen. Ich möchte zugleich in der nahen und weiteren Zukunft mehr Gelassenheit einüben, denn die Erfahrung lehrt: wir haben nichts in der Hand. Das beste Beispiel dafür ist unser Jubiläumsjahr. Wir haben uns viel vorgenommen – und nun ist es ganz anders gekommen. Unser Herr ist aber derselbe treue Gott; sein Segen ruht trotzdem auf uns. Schließlich denke ich an die regelmäßigen Spaziergänge, die mir möglich waren und gut getan haben. Welch ein Geschenk und Segen! Die sollen auch künftig in meiner Planung vorkommen. Und dann möchte ich gern weiter für die Worte der Ermutigung offen sein, die uns unser Herr schenkt. So zum Beispiel das bekannte Wort aus dem zweiten Timotheusbrief, auf das ich in den letzten Wochen mehrmals gestoßen bin.

 

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht,
sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
2.Tim. 1,7

Furcht kommt in diesen Tagen immer wieder mal hoch. Furcht angesichts der vielen Fragen und Ungewissheiten: wann werden wir das Virus los? Wann normalisiert sich das Leben in den Kitas und Schulen wieder? Wie entwickelt sich unsere Wirtschaft? Können wir überhaupt etwas planen? Werden wir verreisen können? Furcht aber auch, wenn plötzlich die Frage gestellt wird: soll man einen alten Menschen noch lange künstlich beatmen?

 

Furcht ist etwas, was die Menschheit begleitet und auch die Bibel erzählt von unzählig vielen Momenten, in denen Menschen sich fürchten. Furcht vor Neuem, vor neuen Herausforderungen, Furcht, wenn Menschen etwas im Glauben wagen sollen und die bisher gemachten Erfahrungen aber dagegen sprechen ( z.B. beim Auszug aus Ägypten, Durchzug durchs rote Meer, Hoffen auf eine bessere Zukunft nach dem Exil ) oder Furcht, wenn es um einen herum tobt und man dem nichts dagegensetzen kann ( die Jünger im Boot ). Und jedes Mal zeigt sich, dass Gott und Jesus der Furcht der Menschen begegnen, indem sie sagen: Fürchte dich nicht. Ich bin bei dir… Ich gehe mit dir … Ich lasse dich nicht allein auf dem Weg in die Zukunft, ins unbekannte Land. Fürchte dich nicht, ich bin’s.

 

Das Besondere in dem oben zitierten Bibelwort ist, dass wir auf jene Gaben hingewiesen werden, mit denen Gott uns darüber hinaus ausgestattet hat, um z.B. einer aufkommenden Furcht begegnen zu können:

 

1. Er hat uns den Geist der Kraft gegeben. Im Urtext steht da ‚dynamis‘. Vermutlich fällt Ihnen auch gleich das Wort Dynamit ein, d.h. darin liegt Sprengkraft, Power, Energie, jede Menge Kraft, die was in Bewegung bringt. Gott hat uns mit Kraft ausgestattet, um dagegenzuhalten und um uns auf neue Wege einlassen zu können – auch auf jene Wege, die wir gerade gar nicht überschauen können und die uns vielleicht Furcht einflößen wollen. Kraft, die vor allem dann spürbar wirksam wird, wenn wir mit unseren eigenen Kräften am Ende sind und nicht weiter wissen.

 

2. … den Geist der Liebe. Gerade die vergangenen Wochen haben uns gezeigt, wie der Geist der Liebe zum Tragen kommt. Da wird füreinander eingekauft; da sorgen erwachsene Kinder für ihre Eltern, damit die geschützt bleiben; da tun sich Menschen in der Südstadt zusammen und musizieren oder singen jeden Abend um 19 Uhr das altbekannte Lied: ‚Der Mond ist aufgegangen‘  und sie erinnern an Gott, den Herrn, der für uns Menschen sorgt. Da finden sich Mitarbeitende in der Diakoniekirche ein, um von montags bis freitags Wohnungslosen oder Bedürftigen Lebensmittel auszuhändigen ( die beiliegende Karte gibt einen kleinen Einblick davon ); da setzen Sie alle kleine Zeichen der Verbundenheit, in dem Sie telefonieren, was die Leitung hält! Liebe lässt Ideenreichtum entstehen, setzt Fantasie frei und baut Brücken, wo noch keine waren. Und wo Liebe gelebt wird, da wird die Furcht überwunden.

 

3. … und der Besonnenheit. Das hat viel zu tun mit ‚das richtige Maß finden‘, mit Maß halten und Mäßigung. Gott stattet uns aus mit dem Gespür fürs richtige Maß. Sie und ich können abwägen und prüfen, was ist überzogen, was ist verantwortungslos. Wir können uns jeden Tag neu darauf besinnen, was wir zum Leben brauchen und wo wir uns und andere schützen sollten, genauso aber auch für jemanden da sein können.

 

So wünsche ich Ihnen, dass Sie immer dann, wenn Furcht aufkommen will, die guten Gaben Gottes in Ihnen stark werden: der Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit!

Ihre Renate Görler

 

 

P.S.:

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