behütet und vergnügt

Schon wieder schauen wir auf eine Woche zurück, die so ganz anders verlief als ursprünglich geplant. Aber ein bisschen hat sich ja doch getan. Die ersten Lockerungen sind wahr geworden. Etliche Geschäfte konnten wieder öffnen, für einige Schüler und Schülerinnen hat der Unterricht begonnen, Busse und Bahnen fahren wieder häufiger. Vor den Supermärkten trifft man auf freundliche Menschen, die die Griffe der Einkaufswagen desinfizieren und drinnen können wir uns sogar freuen, wenn wir eine Packung Toilettenpapier einfach so und ohne Hektik vom Stapel nehmen können.

 

Inzwischen haben wir auch schon die ersten Sprechversuche mit dem Mund-Nasen-Schutz hinter uns. Man versteht längst nicht immer alles sofort. Aber gut, dass wir sie haben. Und wie gut, dass einige Frauen im Dunstkreis der Stadtmission schon so viele Mundschutze genäht haben. Ihnen allen sage ich: danke für Euer Engagement, danke für Eure Unterstützung. Monika Reisiger war ja die erste, die damit angefangen hat. Danke! So manche Spende ist durch den Mund-Nasen-Schutz schon zur Stadtmission gekommen!

 

Neben dem, was sich so vorsichtig tut, bewegen mich persönlich zwei  Fragen: was vermissen Sie in diesen Tagen besonders – und wie gehen Sie damit um? Ich nenne ein paar Dinge, die mir als mögliche Antworten ( zum Teil sind es meine eigenen ) eingefallen sind:
Die Nähe zu anderen, das zwanglose Zusammensein, der Austausch einfach so! Unbeschwert auf die Straße gehen zu können, die Freiheit, mich heute spontan auf den Weg zu machen und jemanden im Nachbarort zu besuchen, den Kindern und Enkelkindern begegnen und sie umarmen zu können! Das Eiscafé, vor dem man sich hinsetzen und die Sonne genießen kann; das große Familientreffen am verlängerten Wochenende, den Gottesdienst in der eigenen Gemeinde, das gemeinsame Singen und Beten! Andere unter uns vermissen vielleicht eher eine geregelte Wochenstruktur und damit die geplanten Kontakte: Montags Frauenkreis, dienstags Wassergymnastik, mittwochs Zusammensein mit der Flüchtlingsfamilie, donnerstags Bibelgesprächskreis in der Stadtmission … . Meistens geht es um die Beziehungen, um das Zusammensein mit den anderen, um körperliche Nähe.

 

Und wie gehen Sie mit dem Vermissen um? Wie erleben Sie das? Ich teile ja mit vielen von Ihnen die Erfahrung des Alleinlebens und so will ich einfach mal ein paar meiner Gedanken äußern: In diesen Tagen spüre ich deutlicher denn je, dass ich auf mich selbst geworfen bin. Ich bin verantwortlich für das, was aus dem Tag wird und was ich aus ihm mache. Gewohnte Termine sind ja weggefallen.

 

Also, was mache ich, womit beschäftige ich mich? Gehe ich allein zu einem Spaziergang raus oder verkrieche ich mich in meiner Wohnung? Überlege ich mir für jeden Tag etwas Schönes? Und was mache ich am Abend? Wieder einen Film im Fernsehen anschauen oder kann ich variieren? Ein Buch lesen, ein Puzzle herauskramen, schöne Musik hören, jeden Abend mit einem Menschen telefonieren, mich auf den Balkon setzen und ganz bewusst dem abendlichen Gezwitscher zuhören?

 

Und wenn dann doch die trüben, sorgenvollen Gedanken kommen? Sie kommen, ohne Zweifel -  dann ist es gut, dass ich sie wahrnehme und ihnen bewusst nicht soviel Raum gebe. Was kann ich ihnen entgegen halten? Eine Antwort auf diese Frage habe ich beim ‚Besuch des Fernsehgottes-dienstes‘ am vergangenen Sonntag (wo, wann?) und beim lauten Mitsingen des Liedes EG 369, 1-3 und 7 gefunden:

"Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten / in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut."

 

Ich werde daran erinnert: Trau auf Gott, rechne mit seinem Wirken, ganz gleich wie meine Alltagssituation ist. Und das steht fest: Gott wird mich begleiten, mit ihm an der Seite kann ich fest durch diese so besondere Zeit gehen.

"Was helfen uns die schweren Sorgen, was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, dass wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit."

 

Morgens stöhnen und erneut sagen: noch so ein Tag allein, ohne Abwechslung… das nimmt mir die Motivation für den Tag. Ich verändere nichts damit, im Gegenteil, meine Stimmung rutscht in den Keller. Der Dichter Georg Neumark hat es klar benannt:  Wir machen es uns damit nur noch schwerer.

"Man halte nur ein wenig stille und sei doch in sich selbst vergnügt, wie unsers Gottes Gnadenwille, wie sein Allwissenheit es fügt; Gott , der sich uns hat auserwählt, der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt."

 

Stille halten, das heißt für mich: abwarten, mit großer Gelassenheit auf das warten, was Gott uns schenken will, mein Leben, meine Gedanken, meine Zeit vor ihm ausbreiten, sich nicht in den Aktionismus flüchten oder in eine innere Unruhe, die den Blutdruck in die Höhe jagt, still sein und sich von den bergenden Armen Gottes gehalten wissen und gespannt nach vorne schauen.

…und in sich selbst vergnügt sein! Welch ein schöner Gedanke! Abwarten und mich am Leben freuen; diese Zeit erleben, annehmen, so gut es geht, sie gestalten und sich daran freuen, gut gelaunt sein, lachen, obenauf sein und danken! Die unzählig vielen kleinen Zeichen der Freundlichkeit Gottes sehen und darüber froh werden. Eine Leichtigkeit spüren, weil der treue Gott für mich sorgt und Wege findet, weil Er weiß, was mir fehlt, was ich vermisse, was mir in diesen Tagen schwer fällt. Gott wird Ihnen und mir das geben, was wir brauchen!

 

Entdecken Sie doch mit mir den Schatz mancher Choräle und singen z.B. den 7.Vers mit:

"Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichen Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht."

 

So grüße ich Sie herzlich und sage wieder: Bleiben Sie behütet  - und vergnügt!

Ihre Renate Görler

 

P.S.:

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